Das traditionelle Spiel ’Chinlone’ ist in Burma der Nationalsport Nr. 1. Der Name stammt vom Ball, mit dem gespielt wird: Ein handgeflochtener Rattanball. Der Sport ist mindestens 1500 bis 1800 Jahre alt, und hat eine einzigartige, unglaublich detailreich ausgearbeitete Körpertechnik, die sehr virtuose Spieler und Lehrer hervorgebracht hat. Das Besondere daran ist: Das Spielprinzip ist nicht–kompetitiv: Es basiert auf Zusammenspiel und nicht auf der EinzelspielerIn. Es gibt daher keine Gegner, keine Verlierer und keine Konkurrenz. Das unterhaltsamste und förderlichste Spiel ergibt sich aus einer Mischung von maximaler Kooperation, sowie den spektakulärsten „Moves“ die möglich sind ohne den Ball den Boden berühren zu lassen. Der Ball wird mithilfe von dynamischen Pässen einander zugespielt, während 6 SpielerInnen sich fließend in einem Kreis von ca. 5 Metern Durchmesser bewegen.

Meditation im Sport

Es gibt mannigfaltige Ekstasetechniken (siehe Mircea Eliade 1986)  bzw. meditative Ansätze, die ein Mensch zu seinem Wohlergehen praktizieren kann. Meiner Meinung nach sind sie allesamt auf dasselbe Ziel ausgerichtet: Heilung durch die Veränderung des alltäglichen Bewusstseins, also eine Art Psychohygiene. Auf der Seite der Deprivation befinden sich z.B.: Sitzmeditation, Schwitzhütte und Fasten. Auf der anderen Seite befinden sich z.B.: Sufi Rituale, Tanz, Trommeln und ‚Holotropic Breathing’. Chinlone ist definitiv bei der zweiten der beiden Enden des Spektrums angesiedelt: Eine Art von Reizüberflutung, oder Geschwindigkeitsmeditation, welche tranceartige Zustände induziert. Der Grund, warum sich Chinlone, obwohl es ein Sport ist, in die Reihe der Ekstasetechniken einreihen lässt, ist sein nicht–kompetitives, friedliches Spielprinzip. Es geht in erster Linie darum, die anderen SpielerInnen dabei zu unterstützen, den Ball in der Luft zu halten. Somit kann bei einem mehrstündigen und regelmäßigen Training dieser Zustand im Spiel beobachtet werden, der tranceartige Qualitäten aufweist, und einen erholsamen Gegenpol zum Alltagsstress darstellen kann. Dies geschieht bei mehrstündigem und regelmäßigen Chinlone Spiel, welches den Geist in veränderte Konzentrations– bzw. Bewusstseinszustände versetzt. Frauen wie Männer, Junge und Alte, reiche wie arme Menschen sind in diesem Spiel willkommen. Geschlecht, Herkunft, Alter oder Sprache spielen keine Rolle: Jede/r kann sofort in das Spiel einsteigen.

Nur ein Spiel?

Dieser Sport ist aus mehreren Gründen sehr förderlich für den Menschen: Er hat enormes Potential, die Menschen dieser Welt näher zusammen zu bringen. Sprachliche oder kulturelle Unterschiede können durch das naheliegende und einfache Prinzip des Sports spielerisch überbrückt werden. Bei tieferer Auseinandersetzung mit Chinlone, wird auch die philosophische Implikation eines vollkommen nicht-kompetitiven Spiels immer klarer. Damit können friedliche, kooperative Ansätze und Erkenntnisse aus dem Spiel auch in den Alltag integriert werden. Somit leistet Chinlone einen wertvollen Beitrag im täglichen Leben: Gesundheitliche Fitness, Psychohygiene, Sozialer Kontakt, Vernetzung von Menschen durch Teamsport, sowie auch die Rückbesinnung auf das eigene Potential. All das, aber vor Allem: Einen Riesenspaß beim Spielen selbst.

Chinlone Europe

Dieser Verein erstreckt sich zu Zeit von Frankreich (Annecy) über Deutschland (Frankfurt) nach Österreich (Wien). In Zukunft wird dieser Verein auf europäischer bzw. internationaler Ebene für die Verbreitung von Chinlone sorgen. Damit soll gewährleistet werden, das sich Chinlone in Europa nach den Vorstellungen der SpielerInnen und LehrerInnen in Myanmar verbreitet, und sie aktiv auf diesen Prozess Einfluss nehmen können. Auch sollen Freunde aus Burma nach Europa gebracht werden, um diesen Sport authentisch unterrichten zu können. Wenn die Geistes– und Körperhaltung des Sportes in seiner traditionellen Form weitergegeben wird, kann er einen sehr förderlichen Beitrag für die Zukunft der Gesellschaft in Europa leisten.

Mingalabar!

Verfasser: Mag. Manuel Wagner

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